Zur Großsiedlung Dresden-Trachau


Dieser Komplex wurde schon um 1925 in großen Zügen geplant (s. Bebauungspläne 1926 und 1930). Es waren etwa 2000 Wohneinheiten vorgesehen, mit vielen Grünanlagen und Kleingärten, auf einem damals fast unbebauten städtischen Areal zwischen der Schützenhofstraße, der Aachner Straße, der Industriestraße und der damaligen Kirchhoffstraße, heute Richard-Rösch-Straße. Die Stadt Dresden hat für den Bau der Siedlung sehr moderne Kriterien eingeführt. Trachau wurde die erste Flachdachsiedlung der Stadt und entspach den damals relativ neuen Grundsätzen der Funktionalität und Wirtschaftlichkeit, die in der Architektur heute als "Neue Sachlichkeit" bezeichnet werden.

Die Durchführung das Plans wurde auf verschiedene Organisationen übertragen, darunter auch der "Allgemeine Sächsischen Siedlerverein" (ASS), der sich schon länger um das Gelände beworben hatte, und die Organisationen GEWOBAG ("Gemeinnützige Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Dresden") und GEWOG, die alle den sozialdemokratischen Gewerkschaften nahestanden. Wichtigste Persönlichkeit in diesen Organisationen war offensichtlich der politisch stark engagierte Richard Rösch.

Bei der Planung und beim Bau der einzelnen Gebäude und Wohnungen haben dann die Architekten Hans Waloschek (als Leiter des GEWOG-Architekturbüros), Hans Richter (mit seinem eigenen Architekturbüro) und die Dresdner Architektensozietät unter dem renomierten Namen "Schilling & Graebner" die wichtigste Rolle gespielt, wie Karl-Heinz Löwel bei seinen umfassenden Untersuchungen der Dresdner Siedlungsbauten herausfand (s. Trachau-Plan 1933). Dabei haben sie alle offensichtlich auch eng zusammengearbeitet, was eine eindeutige Zuordnung einiger der Gebäude zu bestimmten Architekten recht schwierig erscheinen läßt. Bei den Häusern wurden meist Fenster und Türen des gleichen Fabrikats eingebaut und weitgehend ähnlich Baumaterialien eingesetzt. Bei einem Teil der Wohnblocks hat die GEWOG (als Bauherr) auch den Architekten Hans Richter mit der Durchführung beauftragt.

Bis 1933 waren etwa 1200 Wohneinheiten fertig. Unter dem Naziregime wurden am 10. Mai 1933 alle durchführenden Organisationen enteignet, der Bau unterbrochen und erst nach einigen Jahren wieder aufgenommen, allerdings etwas sparsamer (z.B. Wohnungen ohne Bad) und mit Giebeldächern. Die Flachdächer wurden als "semitische Architektur" gebrantmarkt und die Siedlung wird im Volksmund noch heute scherzhaft "Neu Jerusalem" genannt.

Große Teile der Siedlung wurden schon zu DDR-Zeiten unter Denkmalschutz gestellt und galten als Vorbilder moderner und rationeller Bauweise. Die Ähnlichkeit der Fassaden mit vielen der späteren, sogenannten "Plattenbauten" im Osten und "Wohnsilos" der westlichen Länder ist nicht zu übersehen.

Pedro Waloschek   


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