Sein Leben und sein Werk
geschildert von Jutta und Pedro Waloschek
Mit Ideenreichtum und Kreativität, mit zukunftsorientierten und trotzdem realisierbaren Vorschlägen und mit einer soliden Durchführung hat Hans Waloschek immer wieder seine vielen Bauherren in Deutschland und Südamerika überzeugt und begeistert, sei es bei ganzen Siedlungen, bei Wohnungen in großen Blocks oder als Einzelhäuser, bei Industrieanlagen und sogar bei Kirchen. Dabei standen immer Mensch und Lebensqualität im Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Durch seine Bauten in Dresden-Trachau, Meißen und Riesa in den Jahren 1928 bis 1933 kann man Hans Waloschek als einen der Verfechter der Prinzipien der sogenannten "Neuen Sachlichkeit" betrachten, und so in die Architekturgeschichte Deutschlands einreihen.
Einige Bemerkungen:
Der vorliegende Bericht beinhaltet
viele der Erinnerungen der beiden Autoren an ihren Vater, die
Ergebnisse einer ersten Durchsicht der bei ihnen noch vorhandenen Dokumente und
schließlich die neueren Erkenntnisse über die
Bauten von Hans Waloschek in Sachsen,
die vor allem dem Dipl.-Ing. Architekt Karl-Heinz Löwel,
dem Dipl.-Historiker Horst R. Rein und auch einigen Bewohnern der Siedlung
Dresden-Trachau zu verdanken sind.
Der Bericht entspricht dem Stand der
Untersuchungen im August 1999 und
soll als Grundlage für weitere Recherchen und eventuell für eine
umfassendere oder überarbeitete Fassung dienen.
Deshalb sind die Autoren für jede zusätzliche Information,
Bemerkung oder Korrektur sehr dankbar.
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Eine etwas gekürzte Fassung wurde als Beilage der
"Trachauer Bürgerzeitung" Nr. 61, Juli 1999 veröffentlicht
und steht als Faksimile (PDF-Datei) hier
zur Verfügung.
Solange Vorrat reicht können gedruckte Exemplare
von den Autoren angefordert werden.
S. auch eine
Kurzfassung des Lebenslaufs und eine
kommentierte Bilddokumentation
des heutigen Standes der Bauten in Dresden,
Meißen und Riesa.
Hans (Johann Karl) Waloschek wurde am 13. Juli 1899 in Wien geboren. Er kam aus eher bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater Johann (aus Schlesien) war Schumachermeister und ist schon 1904 verstorben. Seine Mutter Emma Maria (geb. Frömel, Lehrerin aus Mährisch Schönberg) übernahm das Schuhgeschäft und meisterte so gut es ging und mit einer gewissen Härte die Erziehung der beiden Söhne Willi (geb. 1898) und Hans und der 5 Jahre jüngeren Schwester Emmi.
Hans hat nach dem Ende der Volksschule drei Klassen Bürgerschule besucht und ab 1912 die Gewerbliche Fortbildungsschule. Er hat 1913 eine Maurerlehre bei F. Wasler & A. Blahorek (Wien) angetreten. Dabei ging er auch schon auf die Staatsgewerbeschule (Baugewerbe). Er beendete die Maurerlehre erfolgreich bei Baumeister Ferdinand Schindler in Wien, bekam am 30. September 1916 den entsprechenden Lehrbrief und am 2. Juli 1919 sein Reifezeugnis von der Staatsgewerbeschule, Höhere Baufachschule. Nach 1939 berechtigte dieses Zeugnis (in Österreich) zur Führung der Standesbezeichnung "Ingenieur", wie es in Deutschland schon früher üblich war. In einer später erstellten Urkunde wurde dies auch bestätigt.
Nur wenige Dokumente sind aus den folgenden Jahren erhalten. Waloschek hatte in der Staatsgewerbeschule wohl gute Kenntnisse erworben, sodass er schon 1918 bei Prof. Carl Seidl (Wien) an der Planung eines Mehrfamilienwohnhauses mitarbeitete und 1919 im Atelier des Architekten Georg Karau (Wien) an der Planung von Wohnhäusern beteiligt war. Hans und Willi hatten auch einige Nebeneinkünfte durch Abendtätigkeiten, u.a. als Statisten im Theater an der Wien. Dabei entwickelten sie auch rege kulturelle Interessen, z.B. zum Musizieren.
Als Einundwanzigjähriger ging Waloschek (1920) nach Leipzig, wo er bei Ing. Alfred Paats am Projekt und Bau eines Sportstadions mitwirkte. Es haben sich damals Probleme bei einem Schwimmbad aus Beton ergeben, das nicht wasserdicht wurde, worüber er später oft scherzhaft berichtete. Im Jahr 1922 kehrte Waloschek nach Wien zurück und hat bei den Professoren Theiss und Jaksch gearbeitet, u.a. in der Bauleitung einer Wohnsiedlung. In dieser Zeit und bis etwa 1924/25 haben Hans und sein Bruder Willi wohl mehrere Vorlesungen an der Technischen Hochschule in Wien belegt, die anscheinend zu keinem Abschlußzeugnis geführt haben. Zusammen haben sie auch Abendkurse im Zeichnen an der Akademie der Bildenden Künste am Schillerplatz in Wien belegt.
Bei diesen Hochschultätigkeiten befreundeten sie sich mit Raúl Pérez Irigoyen, dem Neffen des damaligen argentinischen Konsuls (oder Botschafters) in Wien. Dem für Zeichnen und praktische Arbeiten weniger begabten Argentinier konnten sie tatkräftig unter die Arme greifen. Dies war eine für Hans Waloscheks spätere Tätigkeit in Argentinien recht wichtige Bekanntschaft.
Ab 1925 waren die Brüder Waloschek im Baubüro des Österreichischen Siedlerverbandes (in Wien) tätig, im Team des berühmten Professors Dr. Otto Neurath (damals Obmann des Verbandes). In dieser recht begeisterten und idealistischen Gruppe haben sie u.a. die Innenarchitektin Margarete Schütte-Lihotzky (die Erfinderin der sog. „Frankfurter Küche“) und Hans' spätere Frau Margarethe (Grete) Stark kennengelernt. Es ging damals um die Erschließung von Wohngegenden um Wien herum, u.a. der Siedlung Eden (Hütteldorf am Wienerwald), in der Willi und Hans Waloschek auch selbst ein Haus (für Willi, s. Abb.) gebaut haben, und später daneben ein zweites (für Hans).
Alle Beteiligten hatte damals vorweg für die Benutzung der Grundstücke und für den Bau der Straßen notwendige Arbeiten zu leisten, so zum Beispiel die noch immer vorhandenen Wurzeln der vielen Bäume auszugraben, die in der Not des Ersten Weltkriegs gefällt und verheizt wurden. Über 2000 freiwillige Arbeitsstunden hatten Grete, Willi und Hans jeweils dafür beigetragen.
Im Jahr 1926 unternahm Hans Waloschek eine Studienreise durch Deutschland und Holland, mit dem besonderen Ziel, sich über die Rationalisierung des Wohnungsbaues zu informieren. 1927 wurde er dann in Berlin vom Architekten Willi Ludewig eingestellt (in einer späteren Aufstellung werden insgesamt 7.200 RM Einkommen aus dieser Tätigkeit erwähnt). In dieser Zeit hat Waloschek verschiedene Wohn- und Bürobautenprojekte Ludewigs bearbeitet.
Damals entstand auch eine enge Beziehung zu Dr. Ernst Bodien und seiner Familie. In diesen Kreisen wurde viel über Rationalisierung des Wohnungsbaues und ihrer Einrichtungen diskutiert, wohl im Rahmen der in der Architektur heute als „Neue Sachlichkeit“ bezeichneten Bewegung. Auch mit Architekten und Künstlern des berühmten Bauhauses gab es Kontakte, unter ihnen sehr wahrscheinlich Dr. Martin Wagner, Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe. Es wurden damals in Deutschland neue „Bauhütten“ gegründet, als Bauträger oder u.a. zur rationelleren Herstellung von Baumaterialien, und es entstanden viele neue Siedlerbewegungen und Genossenschaften.
Bodien und Ludewig waren mit den damals von den sozialdemokratischen Gewerkschaften organisierten Wohnungsbaugesellschaften vertraut und haben dort Hans Waloschek eingeführt, dem auch bald eine gute Stelle angeboten wurde.
Mit diesen Aussichten haben Hans Waloschek und Grete Stark zu Weihnachten 1927 in Wien geheiratet (s. Abb.). Grete Stark war in der sozialdemokratischen Jugendbewegung aktiv gewesen, hatte mehrere Schulungskurse besucht, Seminare für Sozialpolitik an der Universität Wien gehört, war in der Siedlungs- und Kleingartenbewegung und hatte außerdem eine gute Ausbildung als Sekretärin. Dadurch kam sie in den Österreichischen Siedlerverband. Zuletzt arbeitete sie aber bei einer Angestelltenkrankenkasse. Sie hat in Waloscheks Leben eine wichtige Rolle gespielt, war seine Sekretärin, Verwalterin, Organisatorin und zusätzlich auch Hausfrau und Mutter für die beiden in Dresden geborenen Kinder Peter (1929) und Jutta (1931). Ihre vielen und langen Briefe enthalten einen guten Teil von dem, was heute über das Leben von Hans Waloschek bekannt ist.
Ab März 1928 war Waloschek bei der „Deutschen Wohnungsfürsorge Gesellschaft für Beamte, Angestellte und Arbeiter“ DEWOG (Berlin) mit einem Gehalt von 900 RM im Monat (plus 300 RM „Aufwandsentschädigung“) angestellt und zum Leiter des „Baubüros Mitteldeutschland“ ernannt. Als solcher war er Mitbegründer und Leiter des Architekturbüros der Tochtergesellschaft GEWOG-Dresden („Gemeinnützige Wohnung- und Heimstätten-Gesellschaft für Arbeiter, Angestellte und Beamte m.b.H.“). Waloschek wurde dafür mit einem Grundkapital von 5.000 RM in Bar von Berlin nach Dresden geschickt. Wie Karl-Heinz Löwel, der sich intensiv mit der Geschichte der Dresdner Siedlungen beschäftigte, aus dem Handelsregister Dresden erfahren hat, wurde die GEWOG am 7. Mai 1928 dort eingetragen. Es wurden damals in Deutschland mehrere Tochtergesellschaften der DEWOG unter dem Namen GEWOG mit entsprechender Ortsangabe, und auch unter anderen Namen gegründet. S. auch ein Kommentar zu den GEWOG-Bauten zur entsprechenden Bilddokumentation.
Ziel dieser Gesellschaften war die Beratung und Betreuung von Kommunen und Genossenschaften bei der Planung, beim Bau und bei der Finanzierung neuer Wohnviertel, Siedlungen und Häuserblocks, die vor allem für größere Bevölkerungsschichten erschwinglich waren. Dabei wurde auch die Wirtschaftlichkeit gemeinsamer Einrichtungen berücksichtigt, mit denen die Lebensqualität verbessert werden konnte, wie z.B. allgemeinzugängliche Gärten, zentrale Wäscherei, Heizung und Warmwasser.
Die Unterlagen, Akten und Dokumente der DEWOG und GEWOG, die von den sozialdemokratischen Gewerkschaften gegründet wurden und ihnen natürlich nahestanden, sind aus politischen Gründen, hauptsächlich unter dem NS-Regime, und dann durch die Kriegsereignisse zum größten Teil vernichtet worden. Nach umfangreichen Recherchen ist es Karl-Heinz Löwel gelungen, die von der GEWOG unter der Leitung von Arch. Hans Waloschek in und um Dresden geplanten und erstellten Bauten zu identifizieren und dabei einige zum Teil fehlerhafte Zuordungen richtigzustellen. Dies hat er u.a. in einem Artikel im Deutschen Architektenblatt DAB, 5/97, S. 676-677 (s. Faksimile) und in einer Beilage zur Trachauer Bürgerzeitung (TBZ) Nr. 41, August 1996 (s. Faksimile) klargestellt. Beides sind Kurzfassungen eines Referats zur Baugeschichte der Großsiedlung Dresden-Trachau, gehalten am 22. Juni 1996.
Das aus heutiger Sicht wohl wichtigste der Vorhaben der GEWOG-Dresden (s. auch ein weiteres Kommentar zur Siedlung Trachau) war die Planung und der Bau der Wohnzeilen eines beachtlichen Teiles der Großsiedlung Trachau in Dresden (s. Abbildungen). Weitere Teile dieser Siedlung, dessen erster Bebauungsplan übrigens schon um 1925 erstellt wurde, sind vom Baubüro des Architekten Hans Richter geplant und gebaut worden und vom renomierten Dresdner Architekturbüro Schilling & Graebner Die Zuordnung der verschiedenen Teile zu Bauträgern und Architekturbüros wurde von Karl-Heinz Löwel klargestellt (s. Plan). Die Wohnzeilen wurden Ende der 90er Jahre saniert und zum Teil an die heutigen Bedürfnisse angepaßt. Die Fassaden wurden mit wissenschaftlicher Beratung der TU-Dresden originalgetreu wiederhergestellt, einschließlich ihrer ursprünglichen Farben (s. Pieschen Online).
Zur Großsiedlung Trachau gehört auch eine Reihe von Häusern in der Schützenhofstraße. Sie bilden die nördliche Grenze der Siedlung und sind auch als "Siedlung Sonnenlehene" bekannt. Diese Häuser wurden von der GEWOG unter Hans Waloschek geplant und gebaut. S. hierzu einige Abbildungen und Einzelheiten und das Faksimile eines Prospekts des "Allgemeinen Sächsischen Siedlerverbandes e.V." aus dem Jahr 1930, für den die Häuser gebaut wurden. Es handelt sich um insgesamt 14 Häuser mit je 4 Wohneinheiten.
Die GEWOG hat die Bewohner der Siedlung Trachau auch bei der Einrichtung ihrer Wohnungen beraten (s. Faksimile eines GEWOG-Prospekts aus dem Jahr 1931). So wurden z.B. nach modernen Methoden erstellte Möbel zu vernünftigen Preisen angeboten (u.a. von den „Deutschen Werkstätten“), darunter auch Küchenmöbel, die den von Grete Schütte-Lihotzky eingeführten Kritereien entsprachen. Man kann sie als Vorgänger heutiger Einbauküchen betrachten.
Die Gebäude der Großsiedlung Trachau wurden schon zu DDR-Zeiten unter Denkmalschutz gestellt. Karl-Heinz Löwel hat in seinem schon erwähnten DAB-Artikel den Hauptgrund dafür sehr genau formuliert: "Die Großsiedlungen der 20er Jahre, errichtet nach den Grundsätzen der Neuen Sachlichkeit, zählen in Deutschland zu Höhepunkten in der Architekturgeschichte dieses Jahrhunderts", wobei er sich besonders auf Trachau bezog. Die wiederhergestellte Siedlung Dresden-Trachau ist also schon heute eine Sehenswürdigkeit für Architekten und Kunsthistoriker.
Ein wichtiges Projekt der GEWOG-Dresden war auch das heute (1999) noch nicht restaurierte, jedoch in der Bausubstanz halbwegs erhaltene Volkshaus in Riesa ( s. Abbildungen), das von Hans Waloschek entworfen und unter seiner Leitung gebaut wurde. Es beinhaltete ein Caffee-Restaurant, Sitzungsräume, eine Kegelbahn, Manschaftsräume und Zimmer für einen hotelartigen Betrieb und wurde am 1. März 1930 eingeweiht. Nach dem Krieg wurde es als Kaserne für russische Soldaten benutzt. Nach den Recherchen von Karl-Heinz Löwel hat die GEWOG außerdem noch eine lange angewinkelte Wohnzeile neben dem Volkshaus Riesa gebaut, die auch noch erhalten ist.
Eine lange und eine kürzere, abgewinkelte Wohnzeile mit Kleinstwohnungen hat die GEWOG in Meißen-Bohnitzsch geplant und erstellt. (s. Abbildungen). Die lange Zeile entlang der Großenhainerstraße wurden schon saniert und restauriert. Es ist ein weiteres Beispiel der damals eingeführten modernen und rationellen Bauweise.
Desweiteren hat die GEWOG laut Karl-Heinz Löwel in Dresden den ersten Teil einer Siedlung in Wölfnitz (s. Abbildungen) geplant und erstellt und eine Siedlung für den „Kriegerheimstättenverein“ in Coschütz (s. Abbildungen), die jedoch beide in der traditionellen Form und Aussattung früherer Siedlungen erstellt wurden.
Im Oktober 1932 endeten die Gehaltszahlungen der GEWOG an Waloschek. Er war frühzeitig von der bevorstehenden Enteignung durch die NS-Regierung gewarnt worden und hatte eine private Firma als selbstständiger Architekt gegründet, in der Hoffnung somit die Bauten der GEWOG vielleicht weiterführen zu können. Das war natürlich eine Illusion.
Hans Waloschek war aktiver Angehöriger einer sozialdemokratischen Organisation (Reichsbanner?). Obwohl er eingefleischter Pazifist war, gehörte er doch zu den bewaffneten Mitgliedern und hatte dafür auch einen Revolver erhalten - zur Verteidigung der demokratischen Institutionen. Nur zwei der 30 Mitgliedern seiner Gruppe haben außer ihm das NS-Regime überlebt. Wie er später öfters betont hat, verdankte er sein Überleben wahrscheinlich der Tatsache, daß seine Einbürgerung, zu der er schon eine mündliche Zusage erhalten hatte, am 3. Juni 1933 von der Kreishauptmannschaft Dresden abgelehnt wurde, „wegen unsicherer wirtschaftlicher Lage seines im Nov. 1932 gegründeten Geschäfts“. Als Österreicher wurde ihm und seiner Familie im Juli 1933 eine halbwegs fluchtartige Übersiedlung (mit allen Möbeln) nach Wien stillschweigend gestattet. Als Deutscher wäre das nicht möglich gewesen.
Vorher wurde er einmal verhaftet und mußte durch die Straßen der von ihm gebauten Siedlung vor Bajonetten her marschieren, allerdings nur in eine Polizeistation (Präsidium?). Dort erkannte er unter den SA-Leuten einige Bewohner von GEWOG-Wohnungen, die ihre Miete schon lange nicht bezahlt hatten. Die Polizei war damals noch nicht „gleichgeschaltet“ und der Beamte, der Waloschek von früher kannte und ihm gut gesinnt war, nutzte die peinliche Lage der SA-Leute, um Waloschek mit dem Vorwand seiner Staatsbürgerschaft wieder freizulassen, nicht ohne ihm vorher das in seiner Wohnung beschlagnahmte politische Propagandamaterial zurückzugeben, mit der Bitte, es doch möglichst bald zu vernichten. Ein Kartenspiel mit Hitler als Joker er sich zur Erinnerung erbeten.
Anderen Sozialdemokraten ging es wesentlich schlechter. Sie wurden ermordet oder gefoltert und einige sind an den Folgen gestorben, wie zum Beispiel Richard Rösch, der damalige Geschäftsführer der GEWOG. Vielen mußte damals zur abenteuerlichen Flucht geholfen werden, sie wurden z.B. mit dem Dienstwagen der GEWOG (s. Abb.) zur tschechischen Grenze gefahren. Man warnte sich gegenseitig per Telefon, wenn die SA oder Polizei anrückte.
Diese Erlebnisse haben eine tiefe Spur in Waloscheks Psyche hinterlassen. Noch Jahrzehnte später brach er oft vor Aufregung mit Schüttelkrämpfen zusammen, wenn ein Gespräch darauf zurückkam, und ganz besonders wenn dies in Diskussionen mit überzeugten Nazis stattfand, was in Argentinien ja gelegentlich der Fall war. Er hat auch nie wieder Trachau oder die Gegend seiner damaligen Bauten in Sachsen besucht.
Die Familie Waloschek hatte sich im April 1933 von Trachau verabschiedet und war auf einen als sicher betrachteten Bauernhof in Volkersdorf gezogen. Neben der politischen Einstellung wurde damals auch befürchtet, daß die NS-Behörden herausfinden könnten, daß Grete im damaligen Rassenjargon als „Halbjüdin“ eingestuft war. Ihr Vater stammte aus einer jüdischen Familie aus Ungarn, die ihn aber, wegen seiner Heirat mit einer Katholikin, verstoßen hatte.
Der GEWOG-Dienstwagen wurde nun vom Fahrer zerlegt, Bücher wurden vernichtet und der Revolver in die Elbe geworfen. Als am 10. Mai 1933 tatsächlich das gesamten Vermögen der SPD, des Reichsbanners, der Gewerkschaften und dazugehörenden Genossenschaften beschlagnahmt wurde, war von der GEWOG als Organisation so gut wie nichts mehr vorhanden. Es waren auch schon alle Bauarbeiten der GEWOG eingestellt worden. Die für Waloscheks neue Firma schon eingebrachten Aufträge wurden storniert, darunter ein größeres, „Löbtau“ genanntes Vorhaben. Nach den Recherchen von Ing. Löwel wurde die GEWOG ab 3. März 1939 unter dem Namen „Neue Heimat“ formell weiter geführt. Diese Organisation hat nach dem Zweiten Weltkrieg die Nachfolge der DEWOG und aller weiteren GEWOG-Gesellschaften wieder übernommen, getrennt in beiden Teilen Deutschlands.
Als Waloschek im Juli 1933 in Wien eintraf begrüßten sich die meisten seiner alten Freunde nur mehr mit „Heil Hitler“. Die Enttäuschung war groß. Seine Warnung, daß Hitler auf einen Krieg zielte, wurde nicht ernst genommen. Er fand auch keine Arbeit und Sohn Peter kränkelte, er mußte mehrmals zur Erholung geschickt werden.
Ein guter Bekannter, Ing. Artur Biber (dessen Frau Emma die jüngste Schwester von Waloscheks Schwiegermutter Antonia Stark war), beschäftigte ihn 1935 gelegentlich mit Projekten einiger Appartmenthäuser. Er bekam auch Arbeitslosenunterstützung. Später konnte er für das Werbeunternehmen Dr. Otto Ehrlich einige Arbeiten durchführen, u.a. für OBI-Apfelsaft. Dafür installierte er in der Wohnung der Schwiegereltern ein kleines Labor zur Vergrößerung von Fotos.
Die Lage in Wien erschien ziemlich hoffnungslos und es wurde ans Auswandern gedacht. Mit Politik, Religion und Rasse wollte man in Zukunft keine Probleme mehr haben. Obwohl Hans und Grete als „konfessionslos“ geheiratet hatten, sind sie wohl nie aus der Kirche ausgetreten und galten als „Sozialdemokraten katholischen Glaubens“, eine damals in der Partei ganz gern gesehene Seltenheit. Sie haben im April 1935 auch ihre beiden Kinder katholisch taufen lassen (s. Abb.). Eine konfessionslose Familie wäre in vielen Auswanderungsländern, wie zum Beispiel in Nord- und Südamerika, als möglicherweise kommunistisch aufgefallen.
Im April 1936 kam eine erlösende Postkarte aus Buenos Aires. Sie stammte vom Architekten Willi Ludewig, bei dem Waloschek schon in Berlin gearbeitet hatte. Der Tenor war in etwa: „Kommen Sie sobald es geht, hier gibt es Arbeit für alle!“ Es wurde nicht lange gezögert. Schon im September 1936 fuhr Waloschek zu einer Ausstellung in Marseille und schiffte sich dort als Tourist in der „Florida“ nach Buenos Aires ein. Ein Einreisevisum hätte er damals nicht bekommen. Seine Familie blieb einstweilen in Österreich, das Siedlungshaus in Hütteldorf wurde an Schwester Emmi (damals schon mit Franz Vanecek verheiratet) übertragen.
Schon am Tag nach seiner Ankunft in Buenos Aires, übrigens ein Sonntag, konnte Waloschek bei seinem Studienkollege und Freund Pérez Irigoyen arbeiten. Gewohnt hat er die erste Zeit bei Ludewigs.
Damit begann eine 22 Jahre andauernde Tätigkeit Waloscheks in Argentinien, als selbstständiger Architekt ohne argentinische Zulassung. Meist wurde mit der Ausführung der Bauten eine Firma beauftragt, die selbst einen zugelassenen Ingenieur, Baumeister oder Architekten hatte, der dann die nötigen Unterschriften für die Behörden beisteuerte.
Waloschek (s. Abb.) hatte in den ersten secht Monaten schon genug gespart, um seiner Familie die Überfahrt nach Buenos Aires zu bezahlen. Für seine eigene Reise hatte er sich Geld vom Bruder seiner Frau, Eduard Stark geborgt und ihm dafür einen großen Teil der modernen, aus Dresden mitgebrachten Möbel überlassen. Im Mai 1937 ist Grete Waloschek mit den beiden Kindern in Buenos Aires eingetroffen.
Perez Irigoyen hatte in Argentinien viele Beziehungen und bekam entsprechend gute Aufträge, wie z.B. zur Erweiterung und zum Umbau der Friedhöfe der Stadt Buenos Aires, besonders des Zentralfriedhofs. Er gewann mit Waloscheks Vorschlägen eine Ausschreibung für die Planung der „Weltausstellung 1937“, die im Hafengelände der Stadt Buenos Aires stattfand.
Dann wurde ein Hotel in der Provinz Córdoba mit dem Namen „El Peñón“ geplant und gebaut, und Einfamilienhäuser wie das „Chalet Rizori“ und das „Chalet Vehil“. In der Hauptstadt der Provinz Córdoba wurde ein Rathaus geplant. Es kam auch zu einer technischen Beratung der Fa. Thyssen-Lametal. Die Zusammenarbeit mit Perez Irigoyen erstreckte sich bis zum Jahr 1946 und überlagerte sich dabei auch mit anderen Vorhaben Waloscheks (s. Abb.).
Im Jahr 1939 begann eine Zusammenarbeit mit dem Architekten Carlos Fromm, der eine Baufirma mit einem Büro im Zentrum der Stadt Buenos Aires hatte, in dem er auch mehrere Zeichner beschäftigte. Es ist anzunehmen, daß Waloschek mit Fromm im Laufe der Jahre unterschiedliche Arbeits- oder sogar Anstellungsversträge hatte. Die Beziehung zwischen den beiden erstreckte sich bis 1952. Waloschek durfte während dieser Zeit auch Aufträge für eigene Kunden betreuen, was er dann allerdings abends und nachts erledigen mußte.
Carlos Fromm stand dem katholischen Orden der Benediktiner sehr nahe, war wahrscheinlich Laienbruder, denn er war verheiratet und hatte Kinder. Er half bei der Organisation von Feierlichkeiten und bei Planungsarbeiten des Ordens mit, und bekam auch Aufträge für Baumaßnahmen, wie z.B. den von Waloschek in seinem Baubüro geplanten Umbau der Benediktinerkirche „San Benito de Palermo“ in Buenos Aires.
Ein bedeutender Auftrag war dann die Planung und der Bau einer Kirche in einem Kloster der Benediktinerinnen in Punta Chica, ein Vorort der Stadt Buenos Aires. Bei diesem Vorhaben, das mit sehr viel Detailarbeit verbunden war, hatte Waloschek eine federführende Aufgabe.
Ein recht anspruchsvolles Projekt bei Fromm war die Planung und der Bau einer größeren Fabrikshalle des Stahlunternehmens „Johnson Acero“ in Quilmes, südlich von Buenos Aires (s. Abb.). Waloschek hat dafür, mit Hilfe des befreundeten Statikers Ingenieur Carlos Laucher, ein nach einer Seite höher geöffnetes Dachgewölbe (mit 24 m Spannweite) aus sehr dünnwändigem Betonbögen entworfen, dessen Schalung durch weiterschieben mehrmals benutzt wurde, bis dann der Hallenteil in ihrer ganzen Länge fertig war. Mehrere solche Hallenteile wurden nebeneinander zu einer Einheit verbunden.
Einen großen Aufrag erhielt Carlos Fromm von der argentinischen Regierung. Eine ganze Siedlung für 20.000 Einwohner, mit allen dazugehörenden Versorgungsgebäuden und Gemeindschaftsräumen wurde für ein Kohlebergwerksgebiet im südlichsten Teil Patagoniens geplant, für das „Yacimiento Río Turbio“, etwa 2000 km Fluglinie südlich von Buenos Aires. Aus strategischen Gründen sollte die Kohle nicht in den 20 km entfernten chilenischen Hafen Puerto Natales (am Pazifik) transportiert werden, sondern über eine neugebaute Bahnlinie zum 250 km weiten Rio Gallegos am Atlantik, um dann per Schiff zu den Industriegegenden um Buenos Aires zu gelangen. Die neue Siedlung war ein idealer Auftrag für Waloschek, der seine Erfahrungen und Kenntnisse voll einsetzen konnte. Er hat das Gebiet des Río Turbio selbst besucht und die Planung übernommen.
Anscheinend gab es noch einen zweiten, sehr ähnlichen Auftrag, für eine Siedlung im Süden der Stadt Zapala (Provinz Neuquén), über den aber keine Dokumente erhalten sind. Es soll sich um die Bergwerke „Inca“ und „Simita“ gehandelt haben und um die dafür nötigen Siedlungsanlagen.
Auch eine Agrarschule mit dem Namen „C. Sanchez“ wurde in Waloscheks Büro bei Fromm geplant, und der Bau und die Erweiterung mehrerer Einfamilienhäuser. Größere Industrieprojekte waren u.a. die Erweiterungen der beiden Firmen mit den Namen „Fortalit“ und „Condor“.
Etwa 1939 übersiedelte Waloschek mit seiner Familie in den Vorort Martinez, nördlich von Buenos Aires, erst in ein kleines und 1942 in ein glößeres Einfamilienhaus, in dem er genügend Platz für ein Atelier hatte. Hier konnte er seine privaten Kunden betreuen. Sohn Peter half seit seinem 12en Lebensjahr als begeisterter Zeichner aus. Die Zahl der bis 1957/58 bearbeiteten Projekte ist recht groß. Zur Vollständigkeit der Dokumentation wird hier eine Liste der noch bekannten Projekte wiedergegeben, die sehr wahrscheinlich nicht vollständig ist. Zu den wichtigeren Projekten noch einige Bemerkungen:
Ein besonders interessantes Projekt war das Chalet mit Atelier für Frau Ilse von Rentzel de Atkinson in San Isidro (Bs. As.). Architekt und Eigentümerin haben sich gegenseitig zu immer neuen Ideen und Erweiterungen durchgerungen und es entstand ein sehr reizvolles Gebäude (s. Abb.).
Ab 1947 hat Waloschek verschiedene Bauvoraben für den Industriellen Adolfo Faag geplant und durchgeführt. Zuerst den Umbau seines Chalets in Martinez, dann den Bau einer Luxusvilla in Mar del Plata (am Cabo Corrientes, direkt am Atlantik, s. Abb.) und schließlich die Erweiterung seiner Papierfabrik in Buenos Aires. Diese Arbeiten haben sich bis 1958 erstreckt.
Etwa 1950 stellte sich heraus, daß Peter zwar das Ingenieurstudium begonnen hatte, um später mit dem Vater zusammenzuarbeiten, nun aber das gleichzeitig betriebene Physikstudium bevorzugte und in die Forschung gehen wollte. Einerseits mit Enttäuschung, aber auch mit etwas Stolz über den Sohn, hat Waloschek die neue Lage hingenommen.
Ab 1952 hatte Waloschek ein eigenes Stadtbüro, in dem er auch einen Zeichner, den Herrn Martin Raschker beschäftigte. 1953 hat sich Waloschek bei einen Unfall am Bau ein Bein kompliziert gebrochen. Dovon blieb ihm für den Rest seines Leben ein steifes und gelegentlich schmerzendes Knie. Peter nahm sich Urlaub (er hatte schon eine Stelle), schob einige Prüfungen auf und erledigte für ihn die Baubesuche.
Im Dezember 1954 hat dann Peter in Physik promoviert und eine längere Studienreise nach Europa angetreten. Als zukünftiger Partner scheidete er also endgültig aus.
1955 hat Tochter Jutta den Ingenieur Frank Memelsdorf geheiratet, der in Argentinien studiert hatte und auch für Bauten unterschriftsberechtigt war. Er hat dies auch für Hans Walsochek übernommen. Für das junge Paar hat Hans ein sehr schönes Chalet in San Isidro entworfen und beim Bau mitgeholfen. Im Jahr 1957 hat sich dann die Auftragslage in Buenos Aires wesentlich verschlechtert. Es wurde über eine Rückkehr nach Europa laut nachgedacht. Vorsorglich wurde im Septenber 1957 beim Bundesministerium für Unterricht in Wien eine Bestätigung der Berechtigung zur Führung der Standesbezeichnung „Ingenieur“ angefordert und erhalten, da anscheinend frühere Dokumente darüber nicht mehr auffindbar waren.
Waloscheks Frau Grete mit Tochter Jutta und Enkelchen Felix fuhren Mitte 1958 auf etwa zwei Monate nach Wien. Neben Familienbesuchen hat sich Grete damals auch um die aus früherer Zeit entstandenen Ansprüche auf eine Rente in Österreich und in Deutschland für sich und für ihren Mann erkundigt. In Argentinien waren die eingezahlten Beiträge aufgrund der Inflation so gut wie wertlos geworden.
In Kenntnis all dieser Probleme hatte Freund Bodien, damals Vorsitzender des Verbandes Berliner Wohnungsbaugenossenschaften und -gesellschaften, schon vorgeschlagen, daß es für Hans am vorteilhaftesten wäre, noch einige Jahre in Deutschland zu arbeiten, um Anspruch auf eine deutsche Rente zu erhalten. Die „Neue Heimat“, als Nachfolgerin der GEWOG, wäre eine geeignete Stelle dafür, und Bodien hat sich angeboten, das dafür Nötige einzuleiten. Deshalb nahm Grete bei ihrer Reise nach Wien wohl auch Kontakt mit Bodien auf.
Tatsächlich wurde Waloschek bei der Neuen Heimat in Hamburg wieder eingestellt. Ursprünglich wurde ihm anscheinend die seit der Schließung der GEWOG-Dresden im Jahr 1932 vergangenen Jahre nicht als „gearbeitete Zeit“ angerechnet, was sich wohl kurz vor seiner Pensionierung noch geändert haben muß. Er hat dann wohl auch eine Entschädigung erhalten.
Die Überfahrt von Buenos Aires nach Hamburg fand im Juni 1959 statt, mit der „Claude Bernard“ über Le Havre. In Hinblick auf eine eventuelle spätere Rückkehr nach Argentinien wurde das in Martinez gemietete Haus noch behalten, schließlich sogar bis August 1965.
Die Arbeit bei der Neuen Heimat gestaltete sich recht mühsam. Waloschek wurde einem Team zugeordnet, das ein Projekt für Wohnhäuser aus vorgefertigten Elementen ausarbeiten sollte. Die Leitung hatte ein anderer Architekt und Waloschek hatte dabei wohl auch andere Vorstellungen. Er war gewöhnt, seine eigenen Ideen zu realisieren, und nicht nach Anweisung anderer zu arbeiten. Das Projekt wurde aber bald ganz abgeblasen.
Die „Organsation International de Travail“ (OIT) in Genf, in Verbindung mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), suchte damals kompetente Entwickungshelfer. Die Neuen Heimat unterstützte mehrere dieser Initiativen. Es handelte sich damals insbesondere um den zweiten Bauabschnitt einer Stiftung des DGB, das Berufsausbildungszentrum „Taraco“ in den peruanischen Anden.
Auf Grund seiner Erfahrung, seiner Kenntnisse Südamerikas und der Sprache, war Waloschek für das Taraco Projekt besonders geeignet. Es wurde ihm vorgeschlagen die Betreuung zu übernehmen und er hat zugestimmt. Er durfte auch seine Frau mitnehmen, für die er allerdings die Reisekosten selbst bezahlte.
Im Juli 1962 ist das Ehepaar Waloschek über Genf und Santiago de Chile nach Lima geflogen und wurde dort von einem Staatssekretär empfangen. Im November 1962 sind sie dann nach Puno am Titicaca-See (im Süden Perús, 3850 m.ü.M.) übersiedelt. Von dort aus sollte der Bau mehrerer Gebäude im 90 km entfernten Taraco geleitet werden. Später sind die Waloscheks nach Juliaca übersiedelt, das nur 30 km von Taraco entfernt war. Allerdings mußte man für die kurze Strecke eine Schotterstraße benutzen, die eine 4200 m.ü.M. gelegene Hochebene überquerte. Waloschek wurde dafür erst ein Jeep mit Fahrer und später ein Citroen 2cv (Ente) zur Verfügung gestellt.
Das Berufsausbildungszentrum in Taraco bestand aus mehreren spezialisierten Werkstätten, Wohnhäusern für Lehrer und Schüler und (im Endausbau) einer Sanitätsstation. Es handelte sich um staatlich anerkannte Handwerkerschulen für junge Indios, die dort zwei Jahre unentgeltlich beherbergt und ausgebildet wurden (s. Abb.).
Waloschek konzentrierte seine Tätigkeit besonders auf das Anlernen der lokalen Arbeitskräfte (im wesentlichen Indianer verschiedener Völkergruppen) zum Bau und auch zur Herstellung von Baumaterialien, sowohl nach modernen, wie auch nach den dort traditionellen Methoden, die zum großen Teil in Vergessenheit geraten waren. Neben dem Einsatz von Beton und aus Beton vorfabrizierten Teilen wurde also auch mit den altbewährten ungebrannten Lehmziegeln gearbeitet.
Neben seiner Arbeit in Taraco wurde Waloschek mehrmals zur Beratung bei ähnlichen Projekten in Perú herangezogen. Dabei bestanden enge Kontakte zu US-Amerikanischen und Europäischen Gewerkschaften und Genossenschaften. Am 20. Dezember 1963 hat Waloschek die Gebäude des Taraco-Zentrums an die zuständigen Behörden übergeben und ist kurz danach wieder in Europa eingetroffen.
In Hamburg hat Hans Waloschek die Betreuung eines weiteren Entwicklungsprogramms der Neuen Heimat übernommen, und zwar die Erweiterung der Anlagen der Siedlungsgenossenschaft „Pindorama“ im Nordosten Brasiliens, in der damals schon 6000 Menschen auf einer Fläche von 34.000 ha arbeiteten (s. Abb.). Es sollte neben mehreren spezialisierten Werkstätten auch ein Krankenhaus, 150 Wohnhäuser, Schulen und ein Einkaufszentrum gebaut werden, für die später erwarteten etwa 12.000 Einwohner. Eine detailierte Planung der verschiedenen Vorhaben und des Bedarfs an Materialien und Einrichtungen wurden von Waloschek in Hamburg 1963 und 1964 erstellt. Auf Grund des extrem tropischen Klimas in der Pindorama-Gegend, mußte er auf eine Leitung der Arbeiten vor Ort aus gesundheitlichen Gründen verzichten.
Im März/April 1965 hat Waloschek (diesmal ohne Frau) eine Reise nach Südamerika für die Neue Heimat unternommen und dabei Lima, Santiago de Chile, Buenos Aires, und schließlich auch Pindorama besucht, wo er sich mit dem DGB-Vorsitzenden Willi Richter zu einer Besichtigung der Anlage traf. Dieses Treffen wurde vom Vorstandsmitglied der Neuen Heimat Albert Vietor persönlich veranlaßt.
Bei Waloscheks damaligen Besuch in Perú konnte er feststellen, das die für die Krankenstation des Ausbildungszentrums Taraco bestimmten Röntgeneinrichtungen zwar in Lima angekommen waren und vom Zoll abgefertigt wurden, jedoch auf dem Weg nach Taraco spurlos verschwunden sind. In einer weiteren Reise hat Waloschek die neuerbaute Stadt Brasilia, die Brasiliens Hauptstadt werden sollte, besucht. Seine Beobachtungen wurden in einem ausführlichen Bericht niedergeschrieben und in kürzerer Form in einer Zeitschrift der Neuen Heimat veröffentlicht.
Etwa 1965/66 wurde Waloschek ein Ruhegehalt der Neuen Heimat zugesprochen. Er hat sich dabei verpflichtet, keinerlei private Architektur- oder Bautätigkeit mehr auszuüben, die mit der Neuen Heimat irgendwie in Konkurrenz stehen könnte. Das Ehepaar Waloschek pendelte nun zwischen ihren beiden Wohnungen in Wien und Hamburg hin und her. Hans bevorzugte die Hamburger Umgebung, Grete die Wiener (s. Abb.).
Am 28. Oktober 1985 ist Hans Waloschek in Wien friedlich in den Armen seiner Frau eingeschlafen. Sie hat ihn noch fast sieben Jahre überlebt und starb (auch in Wien) am 5. Mai 1992.
Tätigkeit und Bauvorhaben des Architekten Hans Waloschek
Bem.: Bei einigen Vorhaben ist nur der Nachname des Auftraggebers oder Bauherrn bekannt und es handelt sich dabei meist um freistehende Einfamilienhäuser (Chalets).
1899: in Wien geboren
1913-1916: Maurerlehre in Wien
1917-1925: Ausbildung und Nebentätigkeiten
1918: Mitarbeit bei Prof. Carl Seidl (Wien)
1919: Mitarbeit bei Arch. Georg Karau (Wien), Wohnhäuser
1920: Mitarbeit bei Ing. Alfred Paats (Leipzig), Sportstadion
1922-1925: Österreichischer Siedlerverband, Dr. Otto Neurath
1923-1925: Einfamilienhaus Siedlung Eden (Wien), für Willi Waloschek
(s. Abb.)
1926: Studienreise Holland/Deutschland
1927-1928: Arbeiten für Arch. Willi Ludewig in Berlin
1928-1932 für die GEWOG-Dresden:
- Siedlung Dresden-Trachau
(s. Abb.), Häuser entlang der
Schützenhofstraße
- Siedlung Dresden Trachau, GEWOG-Wohnungen u.a.
Richard-Rösch-Straße
- 1928-1930: Volkshaus Riesa
(s. Abb.)
- Wohnhaus neben dem Volkshaus Riesa
- Siedlung "Am Stieglitzgrund"
- Siedlung des Kriegerheimstädtenvereins" in Coschütz
- Wohnhäuser in Meißen-Bohnitzsch
(s. Abb.)
1933-1936: in Wien, Wohnhäuser für Ing. Artur Biber
1936-1946 in Argentinien, mit Arch. Pérez Irigoyen:
- 1936: Planung der Weltausstellung 1937 in Buenos Aires
- Umbauten Zentralfriedhof und Ostfriedhof, Stadt Buenos Aires
- Hotel "El Peñón" in Córdoba
- Chalet "Rizori"
- Chalet "Vehil"
- Planung Rathaus in Córdoba
- Bauberatung der Fa. Thyssen-Lametal
1938-1941: Delipetar
1939: Eeroms
1939: Machiavello
1939: Spandri
1939: Etcheto
1939-1952 bei Fa. Carlos Fromm:
- mehrere Chalets
- Erweiterung der Fabrik "Fortalit"
- Erweiterung der Firma "Condor"
- Umbau Kirche "San Benito de Palermo" in Buenos Aires
- neue Kirche des Benediktinerklosters "Punta Chica"
- Siedlung "Yacimiento Río Turbio" in Patagonien
- Siedlung für Bergwerke "Simita" und "Inca" in
Zapala (Neuquén)
- Agrarschule "C. Sanchez"
- Stahlfabrik "Johnson Acero" in Quilmes (Bs.As.)
(s. Abb.)
1940: Auftrag von Willi Ludewig
1941-1945: nur bei Carlos Fromm beschäftigt (keine Privataufträge)
1946-1950: Enderle
1946-1952: Umbau Chalet Kurt Flintsch in Martinez (Bs. As.)
1946-1948: Chalet Ilse von Rentzel de Atkinson
(s. Abb.)
1946-1949: Essigfabrik Hüser von Carlos Spörk
(s. Abb.)
1947: Umbau Chalet Adolfo Faag Martinez (Bs.As.)
1947: Projekt W. Reinke
1949: mehrere Chalets für Baufirma Juan Weinstein
1950; Wochenendhaus Alfredo Rendina in Las Barrancas (Bs. As.)
1950: Chalet E. Imholt, Martinez (Bs. As.)
1951: Umbau Chalet Dr. Heriberto Rastalski in Beccar (Bs. As.)
1952: Planung Wohn- und Geschäftshäuser "El
Bolsón" von Nicolas Thesz.
1953: Chalet Ing. W. Scheib in Martinez (Bs.As.)
1953: Chalet Leopoldo Karpeles in Vicente Lopez (Bs. As.)
1953: Chalet Dr. Cesar Cardini in La Lucila (Bs. As.)
1954: Erweiterung Chalet Dr. Ro-berto Meyer in San Isidro (Bs. As.)
1954: Planung Glasfabrik "Duralit" in Sao Paulo (Brasilien)
1955-1957: Luxusvilla Adolfo Faag Mar del Plata
(s. Abb.)
1955?: Kino "Hurlingham" (1600 Sitzplätze)
von Carlos Spörk
1955?: Chalet Eduardo Alemann y Sra. in Martinez (Bs.As.),
(s. Abb.)
1956...: Erweiterung Papierfabrik Faag Buenos Aires
1956?: Chalet Francisco Tyran
1956?: Chalet Ing. L. Spiegler
1956?: Erweiterung Fa-briksanlagen Fa. "Hulytego"
in Munro (Bs. As.)
1959: Planung Chalet Julio Metsch
1959: Planung Chalet Gertrudis de Holler
1958-1965 bei Neue Heimat Hamburg:
- 1962-1963: Zweiter Bauabschnitt AusbildungszentrumTaraco (
Perú),
(s. Abb.)
- 1963-1964: Erweiterung Siedlungsgenossenschaft Pindorama
(Brasilien),
(s. Abb.)
1965-1985: Rentner der Neuen Heimat
1985: in Wien gestorben